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 Alles Pfusch ?

Die Medien verbreiten in den letzten Jahren zunehmend den Eindruck, dass am Bau nur noch „gepfuscht“ wird. Dies trifft so nicht zu, wenn auch die Arbeit im Baugewerbe für alle Beteiligten nicht einfacher geworden ist.

Der Bauherr hält sich heute, nicht nur durch das Internet, für viel besser informiert, die Bauten werden mit immer mehr anspruchsvoller Technik überladen, sodass es schwer fällt als Baubeteiligter mit der Entwicklung Schritt zu halten, zumal immer weniger qualifizierte junge Leute bereit sind im Baugewerbe tätig zu werden.

Bauwerke werden bei Wind und Wetter handwerklich als Unikate errichtet. Deshalb kann man an Bauwerke auch nicht die gleichen Anforderungen stellen, wie an industriell hergestellte Gebrauchsgüter.

Bei Unregelmäßigkeiten am Bau handelt es sich überwiegend um optische Beeinträchtigungen.

Auch eine von den Regelwerken abweichende Ausführung ist nicht zwangsläufig mangelhaft. Ist die ausgeführte Bauweise mit der regelgerechten gleichwertig, liegt kein Mangel vor. Dagegen muss nicht unbedingt ein Schaden auftreten, um einen Mangel zu begründen. Ist die Zuverlässigkeit des Bauteils oder die technische Lebensdauer geringer bzw. ein erhöhter Wartungsaufwand erforderlich, liegen auch Mängel vor.

Dem Handwerker stehen gewisse Toleranzen zu:

Böden und Decken

Böden, ( auch Wände ) und Decken dürfen bis zu 1 cm Unterschied in ihrer Ebenheit aufweisen, wenn die Messpunkte 4 m auseinanderliegen. Gerade die Abweichungen in Raumecken sind häufig nicht zu vermeiden, weil der Estrich sich beim Trocknen an den Rändern am meisten verformt ( bis zu 5 mm sind zulässig ). Als Folge davon reißen die Dichtstofffugen ab und müssen gewartet werden.

Benachbarte Platten von Bodenbelägen dürfen bis 1,5 mm Höhendifferuenz aufweisen. Geringe, nur bei Streiflicht sichtbare Welligkeit von Parkettböden sind nicht zu bemängeln. Auch geringes Aufklaffen der Fugen ( unter 1,0 mm ) ist unvermeidbar und kleinere Ausbesserungen ( Kittstellen ) zulässig, genauso wie Würfelüberschneidungen bis 3 mm, Äste, sofern sie nicht gehäuft auftreten, kleinere, vereinzelte Haare und geringe Staubspuren in der Versiegelung.

Hohl klingende Stellen bei Parkett- und Fliesenbelägen ( gleichmäßig verteilt und unter 10 % der Gesamtfläche ) sind in der Regel nicht zu beanstanden.

Teppichböden können vereinzelt unauffällige Druckstellen, Musterversprünge, Farbunterschiede, Schrumpfnähte und Schattierungen aufweisen, die bei Velourteppichen auch größer ausfallen und nicht zwangsläufig zum Austausch des Bodens führen müssen, sondern auch durch Minderung des Verlegepreises abgegolten werden können.

Risse

Schwindrisse bei Vollholzquerschnitten sind naturgegeben und unvermeidbar.

Dies gilt auch für Risse bis 0,3 mm in Beton und im Fugenverlauf von Verblendmauerwerk. Auch mineralische Putze sind nicht völlig rissefrei herzustellen. Vereinzelte Risse mit Breiten von 0,2 mm sind unbedenklich.

Risse am Übergang von unterschiedlichen Bauteilen ( z.B. Wand-Deckenanschluss in Dachgeschossen ) sind vorprogrammiert und hinzunehmen, da sie nur mit unverhältnismäßig hohen Aufwand zu verstecken wären.

Fassaden

Ein häufiger Streitpunkt sind Ausblühungen bei Verblendmauerwerk. Alle porösen Steinmaterialien enthalten ausblühfähige Substanzen, die durch Wasser gelöst werden können. Daher ist das Verblendmauerwerk während der Erstellung vor Wasser zu schützen. Erst wenn die Ausblühungen nicht durch die Witterung wieder verschwinden oder leicht durch Bürsten ( mit einer Messing-Drahtbürste ) entfernt werden können, liegt ein Mangel vor.

An gut 30 % von Verblendsteinen dürfen Oberflächenbeschädigungen von bis zu 5 mm, und bei gut 15 % sogar bis 10 mm auftreten.

Selbst Risse bis 0,3 mm sind ( außer bei Keramikklinkern ) zu akzeptieren.

Ein zunehmendes Problem sind die Veralgungen von Fassaden durch den immer größeren Anteil von Wärmedämmverbundsystemen. Die Rahmenbedingungen, die zur Veralgung führen, können nur bedingt beeinflusst werden. Chemische Zusätze verzögern die Algenbildung lediglich. Der Putz nimmt jedoch in seiner Substanz keinen Schaden.

Verglasungen

Verglasung werden häufig nach dem Bezug des Gebäudes beanstandet. Dabei werden die Mängel ( Kratzer ) nicht selten durch die Eigentümer selbst verursacht ( Reinigung mit falschem Gerät ). Blasen und Einschlüsse, die nur bei besonderen Lichtverhältnissen zu erkennen sind, sollten nicht beanstandet werden, insbesondere, wenn sie in der Randzone liegen ( bis zu 4 Stck mit 3 mm Durchmesser zulässig ).

Tauwasserbildung am Rand von Isolierglas ist zulässig und deutet eher auf mangelnde Lüftung bzw. Beheizung der Räume hin.

Dächer

Bereichsweise ist Pfützenbildung auf Flachdächern unter 3° unvermeidbar und daher zu akzeptieren. Auch Dachrinnen müssen nicht zwangsläufig mit Gefälle verlegt werden

Anstriche

Bestimmte Anstriche, z.B. Lasuren erfordern Wartungsintervalle ( 2 Jahre ), die deutlich unter den üblichen Gewährleistungsfristen liegen. Dies gilt auch für andere Bauteile, die einem größeren Verschleiß unterliegen. Nicht immer kann man sich darauf verlassen innerhalb einer Gewährleistungsfrist von 5 Jahren nicht tätig werden zu müssen, da diese ggf. nicht sachgerecht und damit unwirksam sind.

 

Diese Austellung gibt nur einen groben Überblick über häufig diskutierte, scheinbare Mängel.Mängel, die die Gebrauchtauglichkeit deutlich beeinträchtigen, sind eher selten.

Diese sind natürlich immer nachzubessern.

Aber auch in diesem Fall sind alle Beteiligten gut beraten gemeinsam nach einer sinnvollen und wirtschaftlichen Lösung zu suchen. Gerichtsverfahren enden nicht selten mit einem Vergleich, bei dem letztlich alle Beteiligten draufzahlen.

Wer höhere Anforderungen an Bauleistungen stellen will, sollte diese vorher schriftlich vereinbaren und wird diese, sofern technisch herstellbar, auch entsprechend vergüten müssen.