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Luxusprobleme

Leserbrief zum Beitrag "Farbkonzept für Hoch-Tiefhäuser stößt sauer auf" vom 08. 08. 2014 in der NOZ

Es ist erschreckend, welch harmlose Anlässe Bauherren in jüngster Zeit zu unverhältnismäßigen Reaktionen veranlassen.
Auch Herr Lahmann-Lammert ( Kommentar ) irrt, wenn er meint, das eine Erörterung des Farbkonzeptes mit den Bewohnern schlauer gewesen wäre.
Es ist schlicht unmöglich mit 71 Eigentümern Einigkeit über ein Farbkonzept zu erzielen, das immer subjektiv beurteilt wird.

Vielmehr wird es immer schwieriger Bauherren zufrieden zu stellen. Immer häufiger werden sogenante Mängel von Bauherren angezeigt, die selber immer seltener in der Lage sind auch nur ein paar Tapeten an oder einen Nagel in die Wand zu bringen. Dafür verbringen sie lieber mehr Zeit vor dem Computer oder in Diskussionen mit selbsternannten Experten im Bekanntenkreis, die ihnen aufzeigen, was man bei der Abnahme alles beanstanden könnte. Dabei vergessen sie häufig, dass es sich bei einem Gebäude immer um ein Unikat handelt und nicht um ein fabrikmäßig erzeugtes Serienprodukt.
Kein Wunder also, dass kaum noch junge Leute bereit sind, sich für wenig Geld bei Wind und Wetter in einem handwerklichen Beruf zu engagieren und deshalb immer häufiger schlecht ausgebildete, sogenannte Facharbeiter, die immer anspruchsvolleren Bauwerke, möglichst noch in Rekordbauzeit, errichten sollen.
Statt dessen werden Anwälte, Richter und Gutachter mit Banalitäten beschäftigt und unverhältnismäßig hohe Rechnungssummen zurück behalten.

Man stelle sich einmal vor, die Bauherren in der Augustenburger Straße haben mit ihrem Ansinnen Erfolg und das ganze Gebäude müsste erneut eingerüstet werden, um es jetzt, statt in 10 Jahren, noch einmal, auf wessen Kosten auch immer, in einer anderen Farbe zu streichen. Während immer mehr sich in Deutschland mit solchen Luxusproblemen die Zeit vertreiben, sterben weltweit unzählige Kinder an Unterernährung. Eine beängstigende Vorstellung.
Offensichtlich haben viele verlernt ihre bevorzugten Lebensumstände mit einer gewissen Demut wenigstens zu genießen, anstatt alles zu problematisieren.